Warum Deutsch lernen so wichtig für mich ist – gerade jetzt zwischen Lombok und Hamburg


Von A‘an


Mir gefiel die deutsche Sprache schon immer, warum genau, weiß ich auch nicht. Aber vielleicht hängt es damit zusammen, dass ich die deutschen Touristen immer besonders mochte. So fielen mir ja auch Stephie, Jörg und Anna vor über drei Jahren sofort auf. Nur damals konnte ich noch kein Deutsch, sodass wir uns auf Englisch unterhielten. Über die Jahre ist unsere Beziehung dann immer weiter gewachsen und damit auch mein Wunsch, Deutsch zu lernen. Denn was gibt es besseres, als mit seiner deutschen Familie in ihrer Sprache zu sprechen.


Meine Mom Stephie hatte herausgefunden, dass ich das Zertifikat A1 am Goethe Institut ablegen muss, um mal für längere Zeit in Deutschland sein zu können. Sie fand für mich eine gute Lehrerin in der Hauptstadt Mataram und so fing ich an, richtig Deutsch zu lernen. Das war eine tolle Zeit bei meiner Lehrerin Novy mit anderen Schülern im Kurs. Nach sieben Monaten bin ich allein nach Surabaya geflogen, denn auf Lombok gibt es kein Goethe Institut, was die Prüfung abnimmt, und habe A1 bestanden.


Als mein Deutschkurs in Mataram anfing

Ich mag gerne Deutsch sprechen


Danach habe ich dann in einem Reise-Büro auf Gili Trawangan gearbeitet und mit den Gästen weiter sprechen geübt. Ich mag gerne Deutsch sprechen. Einmal habe ich sogar jemanden aus Hamburg kennengelernt, der für Mom in einem Video Tipps für meinen Aufenthalt in Hamburg gegeben hat. Als meine Familie dann im März nach Lombok kam, haben wir natürlich auch öfter auf Deutsch gesprochen, aber ich war auch irgendwie schüchtern, dass ich was Falsches sage. Einmal morgens in der Küche hab ich mich dann getraut und gefragt, was wir zum Frühstück essen wollen. Mom hat gestrahlt und meinte, ich würde richtig gut sprechen. Das haben die Gäste übrigens auch immer gesagt und ich habe mir manchmal den Spaß gemacht, zu behaupten, ich wäre in Deutschland aufgewachsen. Das haben sie mir geglaubt. Mom hatte extra ein Buch mit Übungen für A1 gekauft, weil wir in Hamburg zusammen üben wollten. Naja, und den Rest kennt ihr schon, Corona, Einreiseverbot, ungenutztes Visum und Traurigkeit. Immerhin hatte ich mir von Novy noch ein paar Sketsche auf Deutsch auf mein Handy geladen, so kann ich die Zeit ein wenig überbrücken.


Unser Übungsbuch

Eigene Aufgaben nur für mich


Als ich ein paar Monate später sagte, dass ich Angst habe, mein Deutsch zu verlieren, handelte Mom sofort. Seitdem schickt sie mir regelmäßig Aufgaben aus dem Buch, die ich dann erledige und ihr zurückschicke. Sie erklärt mir alles über die vier Jahreszeiten, die Feiertage in Deutschland, den Unterschied zwischen den Wörtern Ferien und Urlaub. Und manchmal schickt sie mir auch Sprachnachrichten, damit ich die richtige Aussprache lerne. Das alles gibt mir ein gutes Gefühl und vor allem Hoffnung, besonders in dieser Zeit, wo wir noch immer getrennt sind.


Neuerdings erstellt sie sogar eigene Aufgaben für mich mit unseren gemeinsamen Fotos, die zu dem jeweiligen Thema passen. Da strenge ich mich besonders an, weil ich sehe, wie sehr sich meine Mom bemüht. Sie hat aber auch selbst Spaß daran, denn sie hat Germanistik an der Uni studiert und kann auch sehr gut erklären.


Adventskalender auf Deutsch

Mein erster Adventskalender und auch noch auf Deutsch


Vielleicht fragt ihr euch, warum wir nicht Online- Unterricht machen. Tja, das geht leider nicht, da bei uns im Dorf oft der Strom ausfällt, und Wifi haben wir leider nicht und eben auch keinen Laptop. Aber auch so schaffen wir es immerhin schon seit einem halben Jahr, meine Deutschkenntnisse aufrecht zu erhalten und sogar auszubauen, denn neulich hat Mom mir eine Aufgabe geschickt, wo ich mir selbst was ausdenken musste. Es war eine Unterhaltung mit Fragen und Antworten. Das war echt schwer, aber Mom war sehr zufrieden.


Eine große Überraschung war mein erster Adventskalender, zwar digital, aber trotzdem toll: Jeden Tag schicken mir Mom, Jörg und Anna abwechselnd ein Bilderrätsel und ich muss den deutschen Namen sagen. Aus den Anfangsbuchstaben ergibt sich später ein Satz. Bin schon sehr gespannt!


Am meisten freue ich mich aber darauf, wenn wir hoffentlich im Frühjahr zusammensitzen können, um zu lernen und richtig miteinander Deutsch zu sprechen.


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