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Kulturknigge mal anders: Worüber wundern sich Indonesier in Deutschland und umgekehrt? Teil 2

Von Anna und A‘an


Nur im Ausland realisiert man, was im eigenen Land anders ist und bekommt ein neues Kulturverständnis. Anna ist ein halbes Jahr auf Lombok zur Schule gegangen, und A’an hat zweieinhalb Monate in Hamburg gelebt. In einem Gespräch unterhalten sie sich über die Dinge, die ihnen im jeweils anderen Land aufgefallen sind.



Selbstbedienung ist weit verbreitet

Anna: Schön, dass du dich in Hamburg gut aufgehoben gefühlt hast. Auf Lombok habe ich die Gastfreundlichkeit der Menschen sehr zu schätzen gewusst, denn man wird überall sofort bedient und gefragt, ob man noch was braucht. Auch im Supermarkt packen sie einem alles in die mitgebrachte Tasche. Das ist in Hamburg ganz anders und war für dich bestimmt ungewohnt, also dass es nicht so viel Bedienung gibt …

A’an: Ja, in Deutschland muss man viel selbst machen, sogar manchmal die Ware selbst scannen. Oder ich erinnere mich ans Tropen-Aquarium, wo wir sehr lange warten mussten, bis wir etwas Kleines zu Essen kaufen konnten. Das haben wir dann selbst zum Tisch gebracht, die auch noch fast alle besetzt waren.

Anna: Du hast Recht, selbst für mich war das nach der langen Zeit auf Lombok anstrengend.

A'an: Wenn man erstmal weiß, wie es funktioniert, wird es vielleicht einfacher.

Anna: Das ja, aber entspannend ist das nicht, deshalb brauchen wir auch Urlaub (lacht).

A’an: Das verstehe ich. Anstrengend fand ich es auch beim Bäcker: Es gab immer eine lange Warteschlange, und wenn ich dann dran war, wusste ich nicht, welche Brötchen ich kaufen sollte bei all den vielen Sorten.


Immer gemeinsam am Tisch essen

Anna: Auf Lombok gibt es einfach „roti“, entweder süß oder herzhaft. Immer als sehr weiches helles Brot. Eigentlich mochte ich es, aber das deutsche Brot hat mir nach der langen Zeit dann doch gefehlt. Ich fand es auch ungewohnt, beim Essen in der Schule immer im Schneidersitz auf dem Boden zu sitzen. Da sind mir manchmal die Beine eingeschlafen (grinst). Und als wir bei deiner Tante eingeladen waren, haben wir ja auch im Gajebo gesessen und Curry gegessen. Da ich einen Rock anhatte, konnte ich nur im „Damensitz“ essen, wie man auf dem Foto sieht, das fand ich bequemer.

A’an: Im Schneidersitz zu essen, ist für mich ganz normal. Wenn das Essen nicht zu flüssig ist, nehmen wir statt Besteck auch am liebsten die rechte Hand.

Anna: Dann war es für dich bestimmt ungewohnt, in Hamburg immer am Tisch zu sitzen und mit Besteck zu essen.

A’an: Ja genau, deshalb wollte ich auch manchmal gern mit der Hand essen. Ich kannte es auch nicht, dass man sich ständig beim Essen unterhält.

Anna: Das gehört in Deutschland sogar zur Tischkultur. Manchmal kommt man nur deshalb zum Essen zusammen, damit man sich unterhalten kann. Gerade wenn wir den ganzen Tag unterwegs sind, ist das eine gute Möglichkeit, mal zusammenzukommen und sich auszutauschen.

A’an: Das habe ich dann auch verstanden, obwohl es bis zum Schluss für mich fremd war. Denn in Indonesien essen wir meist allein beziehungsweise dann, wenn wir Hunger haben. Morgens kocht meine Tante für den ganzen Tag, und man nimmt sich einfach etwas davon, wenn man Zeit und Hunger hat. Natürlich essen wir auch mal zusammen, aber das ist dann eher im Zusammenhang mit traditionellen Zeremonien, oder wenn wir uns mit Freunden treffen.


Das Wetter ist sehr wechselhaft

Anna: Was ist dir noch aufgefallen in Deutschland?

A’an: Auf jeden Fall ist das Wetter anders. Obwohl wir im August auf Lombok und in Hamburg die ähnlichen Temperaturen so um die dreißig Grad hatten, war die Luft in Deutschland viel trockener. Daran musste ich mich erst gewöhnen. Und auch daran, dass sich das Wetter oft ändert. Oder im Oktober, wenn es nur fünfzehn Grad waren, obwohl die Sonne schien.

Anna: Aber in Deutschland haben wir ja auch unterschiedliche Jahreszeiten, und du hast immerhin zwei davon kennengelernt: den Sommer und den Herbst.

A’an: Die Luft ist viel frischer in Deutschland, das hat mir gut getan, und ich fand den Herbst super schön, wenn sich die Blätter der Bäume verfärben, mal gelb, mal orange oder sogar rot wie der Ahornbaum auf dem Foto. Für mich war es auch toll, zum ersten Mal in meinem Leben Äpfel vom Baum zu pflücken. Auf Lombok essen wir auch Äpfel, aber sie werden importiert.

Anna: Das ging mir mit den exotischen Früchten auch so, und sie schmecken immer so frisch auf Lombok.

A’an: Für mich als Indonesier ist es ein großes Glück, mal eine andere Kultur kennenzulernen, weit weg von der Heimat zu sein und über alles, was ich nicht kenne zu staunen. Beim zweiten Mal werde ich mich schon viel besser auskennen, mal sehen, was mir dann auffällt …


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