Was haben eigentlich Homeschooling, Harry Potter und Indonesien gemeinsam?


In einer Studie berichten dreiviertel der Eltern in Deutschland von Hürden beim digitalen Unterricht.

Am häufigsten nannten sie eine fehlende Unterstützung durch die Schulen, gefolgt von Internetproblemen (Geschwindigkeit / Netzprobleme) und mangelnder Digitalkompetenzen der Lehrer. Die technische Ausstattung zu Hause spielt nur eine nachgeordnete Rolle. Ganz anders als in Indonesien, wo viele Schüler kein eigenes Handy besitzen geschweige denn eine gute Internetverbindung nutzen können. Unsere Tochter Anna (13, 7. Klasse) erzählt von ihren persönlichen Erfahrungen am Charlotte-Paulsen-Gymnasium in Hamburg und an der internationalen Schule Nusa Alam auf Lombok.


Videokonferenzen gehören zum Schulalltag

Anna, was hast du gedacht, als es zum zweiten Mal hieß, jetzt ist wieder Homeschooling?

Anna: Ich habe versucht, erst einmal ruhig und positiv zu bleiben. Vielleicht dauert es nicht so lange, habe ich gehofft, und dass ich so schnell wie möglich wieder in die Schule kann. Außerdem habe ich mir vorgenommen, weiterhin strukturiert zu bleiben und es auf mich zukommen zu lassen. Auf jeden Fall ist unsere Schule technisch gut aufgestellt, und die Lehrer sind auch weiterhin engagiert.


Skaten bringt Abwechslung

Wie motivierst du dich selbst bzw. wie hast du dich organisiert?

Anna: Ich habe mir vorgenommen, jeden Tag mindestens ein Fach zu schaffen. Zwischendurch telefoniere ich mit meinen Freunden (Videoanruf), um das Arbeiten etwas lustiger zu gestalten. Wenn ich spüre, dass mir die Decke auf den Kopf fällt, gehe ich nach draußen und fahre mit meinem Surf-Skateboard. Danach habe ich beim Arbeiten wieder einen freien Lauf.


Nicht alle Fächer können im Homeschooling unterrichtet werden oder nur mangelhaft. Welche Fächer fehlen dir?

Anna: Das sind hauptsächlich Sport, Kunst und das Experimentieren in der Gruppe im Physikunterricht. Das kann man einfach nicht digital ersetzen.


Kreativ zu Hause außerhalb der Schule

Viele Eltern und Schüler sind frustriert, umso wichtiger ist es, sich Inseln zu schaffen. Was macht dich außerhalb der Homeschool glücklich?

Anna: Ich zeichne, lese und bastle. So habe ich zum Beispiel mit meiner Mutter zusammen ein Steinbild mit Federn auf eine Leinwand gebracht mit dem Titel „Dream on“. Wenn man Bücher liest, hört man nie auf zu Träumen, das wollten wir mit dem Bild symbolisieren. Die Steine haben wir übrigens letztes Jahr in Dänemark gesammelt, und die Federn stammen aus dem Vogelpark in Niendorf an der Ostsee. Meine große Leidenschaft ist zurzeit Harry Potter: Ich habe alle Filme geguckt und schon drei Bücher gelesen. Außerdem recherchiere ich viel über Harry Potter und meine Liebligscharaktere wie Severus Snape. Ich finde an ihm so toll, dass er als Doppelagent geheimnisvoll ist und Harry immer beschützt, und er zeigt mit seiner großen Liebe zu Lily, wie stark Liebe sein kann. Durch Harry Potter bin ich auch selbst zum Schreiben gekommen. Mein Buch spielt auch in einer Schule wie Hogwarts, aber die Charaktere, und was sie erleben, sind frei erfunden, und ich hab mir schon sehr viel ausgedacht.


Anna vermisst das Scooterfahren auf Lombok

Natürlich denke ich auch viel an Indonesien, zum Beispiel als ich vor fast einem Jahr mit A’an zusammen Scooter gefahren bin, im Meer zwischen bunten Fischen und Schildkröten geschwommen bin und wir einfach glücklich waren.


Das kann ich mir gut vorstellen. Indonesien ist ja auch vom Homeschooling betroffen, was weißt du darüber?

Anna (denkt nach): Für einen Tag im März letzten Jahres hatte ich meine Schule in Mataram besucht, bis es dann hieß „ab jetzt Homeschooling für alle“. Während wir in Hamburg immerhin fast sechs Monate Präsenzunterricht hatten, mussten die Schüler der Sekolah Nusa Alam bis Ende Dezember zu Hause lernen. Jetzt gibt es unter strengen Hygieneregeln wieder Präsenzunterricht. Immerhin sind die Eltern technisch alle gut ausgestattet, sodass sie mindestens einen Computer oder Laptop besitzen. Das ist in Indonesien nicht selbstverständlich.


Indonesischer Junge in einem Dorf

A’ans zehnjähriger Bruder hat kein eigenes Handy und muss es sich leihen, damit er Hausaufgaben machen kann. Das ist ein großes Problem, denn nicht nur in Deutschland, sondern erst recht in den indonesischen Dörfern hängen die Schüler bestimmt mit dem Lernstoff hinterher und können ihn vielleicht nie mehr aufholen.


Hoffen wir, dass wenigstens der Lockdown bald aufgehoben wird. Was willst du dann als Erstes machen?

Anna: Ich möchte mich unbedingt mit meinen Freunden treffen, denn das ist etwas ganz anderes als sie immer nur über das Handy zu sehen. Dann möchte ich mit meinen Eltern shoppen gehen und zum Beispiel im Buchgeschäft stöbern. Das könnte ich dann auch gut mit einem Friseurbesuch verbinden (lacht).


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