Buchtipp: „Die Muskatprinzessin“ - das neue Leben der jungen Eva in Ostindien



Zu Beginn des historischen Romans „Die Muskatprinzessin“ von Christoph Driessen taucht der Leser ein in das Amsterdam Anfang des 17. Jahrhunderts. Die Protagonistin Eva Ment liebt ihre Heimat und kann sich nicht vorstellen, sie jemals zu verlassen. Auch möchte sie noch nicht heiraten und schon gar nicht, ohne den Mann zu lieben. Doch die Geschäfte ihres Vaters laufen alles andere als gut und er sieht nur eine Lösung, aus der Misere herauszukommen: seine Tochter mit einem reichen Mann verheiraten. Wie ein Wink des Schicksals interessiert sich der über zwanzig Jahre ältere Jan Pieterszoon Coen für die schöne Eva mit ihren langen roten Haaren. Als sie miteinander bekannt gemacht werden, ist die junge Frau über sein äußeres Erscheinungsbild schockiert. Es will sich so gar keine Sympathie einstellen, doch sie hat keine Wahl und muss ihn trotzdem heiraten.


Jan Pieterszoon Coen herrschte in Ostindien

Evas neue Welt ist in jeder Hinsicht exotisch


Doch dann verändert sich Evas Leben noch radikaler. Coen wird als Generalgouverneur der Ostindien Companie nach Batavia (heutiges Jakarta) gerufen, was bedeutet, dass das junge Ehepaar schon bald in See sticht, um rund acht Monate lang zu reisen. In Batavia angekommen empfängt Eva nicht nur das ungewohnte tropische Klima, sondern auch eine Welt, in der sie plötzlich als Frau des Gouverneurs die Rolle einer Prinzessin bekommt – mit vielen Dienern und allen Annehmlichkeiten, die sie sich nie gewünscht hat. Doch auch wenn sich Eva nicht mehr frei und unerkannt bewegen kann, findet sie Auswege. So entdeckt sie sowohl die Schandtaten, die an den Einheimischen verübt werden, als auch die Reize einer echten Liebe …


Aus dem damaligen Batavia ist Jakarta hervorgegangen

Wahrheit und Fiktion


Der Roman hat eine flüssige Sprache, sodass man sich schnell in der Handlung zurechtfindet. Die Orte beschreibt Driessen plastisch, dadurch glaubt man, selbst dort zu sein. Mir persönlich hätten Bezifferungen der Kapitel besser gefallen als Überschriften, die schon vieles verraten. Dafür finde ich die historischen Erläuterungen des Autors am Ende des Buches sehr lehrreich.


Zu Jan Pieterzon Coen gibt es historische Ausführungen, er galt als streng in seinen Ansichten und äußerst brutal in der Vorgehensweise, um das Kapital der Ostindien Companie zu vergrößern. Ein umstrittener Machthaber in der niederländischen Geschichte, denn er ließ 1621 einen Völkermord an rund 15.000 Bewohnern der Banda-Inseln verüben, um dort ein Monopol für Muskat zu schaffen. Driessen gelingt es sehr gut, den Charakter Coens realistisch darzustellen, sei es durch die intimen Szenen mit seiner Ehefrau oder durch die Art und Weise, wie er Unrecht bestrafen lässt. Eva Ment hat es tatsächlich gegeben, doch man weiß nicht viel über sie, so hat der Autor aus ihr eine echte Romanfigur gemacht. Diese ist sympathisch und charakterstark und scheint an manchen Stellen vielleicht etwas näher an der heutigen statt an der damaligen Zeit zu stehen. Auch ihr Bruder Gerrit wirkt manchmal wie ein junger Mann aus der heutigen Zeit. Die beiden gehen sehr liebevoll miteinander um – auch in der Öffentlichkeit. Das wirkt zwar positiv, aber für die damalige Zeit nicht realistisch. Über solche Kleinigkeiten sieht man aber gern hinweg.

Der Autor Christoph Driessen bei einer Lesung

Fazit: Das Buch beschreibt eine äußerst spannende Epoche in der niederländischen Kolonialgeschichte und lässt den Leser in das damalige Indonesien eintauchen. Besonders das Ende des Romans ist spannend geschrieben und bietet so manche Überraschung.




Bibliografische Angaben: Christoph Driessen: Die Muskatprinzessin Maximum Verlag Langwedel 2020 ISBN 978-3-948346-16-4


Hier geht es zu einer Lesung des Autors.

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