Wie es ist, als Indonesier in Europa auf Reisen zu sein

Von Stephie



Indonesier bleiben oft ein Leben lang auf der Insel, auf der sie aufgewachsen sind. Das Prinzip „einer hilft dem anderen“ insbesondere eine Generation für die andere ist lebenserhaltend und das dortige Sozialsystem. Besonders ältere Leute haben Angst davor, wenn die Jüngeren das Land verlassen. Es kursieren Gerüchte über schlimme Dinge, die im Ausland passieren können, und man fragt sich, wo denn die vermeintliche indonesische Gelassenheit geblieben ist. Doch dafür muss eben alles so bleiben, wie es ist.


A’an wollte schon immer mal gern nach Deutschland reisen und nicht nur mit deutschen Touristen in Indonesien sprechen. Die Neugier und der Drang, sich weiterzuentwickeln haben ihm Kraft gegeben sozusagen gegen den Strom zu schwimmen. Bevor wir ihn kannten, war er nur von Lombok nach Bali gereist – mit der Fähre. Die erste Flugreise nach Surabaya wurde notwendig, als er seine A1 Prüfung für Deutsch als Fremdsprache am Goethe Institut ablegen wollte. Später ist er auch nach Jakarta geflogen, aber sein Land hatte er bis vor kurzem nicht verlassen.


In Europa schnell über die Grenzen

Das erste Mal nach Deutschland zu fliegen, war natürlich sehr ungewohnt für seinen Körper und mental. Sechs Stunden Zeitunterschied und dann noch das ständig wechselnde Wetter. Zum ersten Mal hat er erlebt, wie sich fünf Grad Celsius anfühlen. Doch das Andere ist schließlich das, was den Blick und die eigene Person verändert. Die Dimensionen einer Großstadt wie Hamburg musste A’an begreifen und gleichzeitig erleben, dass nicht jede Großstadt wie Jakarta ist, sondern sehr grün. Ohne viele Motorroller ist es außerdem viel ruhiger. Das Fahrradfahren begeistert ihn und die frische Luft.


Faszinierend in Europa sind außerdem die Möglichkeiten, mühelos in ein anderes Land wie Dänemark zu reisen. Von Hamburg aus ist man in zweieinhalb Stunden dort, wo wir mit A’an ein Wochenende verbracht haben. Mit großer Aufregung sind wir über die Grenze gefahren, haben die dänische Gemütlichkeit genossen und die Stadt Sönderborg besichtigt. A’an erfreute sich an der grünen hügeligen Landschaft, fand manches wie in Deutschland und doch ganz anders. Von der Ostsee zur Nordsee ist es nicht weit, doch der Wind bläst einem Indonesier doch ein bisschen zu scharf um die Ohren.


Äpfel direkt vom Baum pflücken


Sehr gut gefallen hat ihm außerdem die Insel Rügen, wo wir eine ganze Woche verbracht haben. A’an ist es gewohnt, immer am Wasser zu sein, und er liebt das Ländliche. Die schöne Verfärbung der Bäume im Herbst hat es ihm angetan, besonders wenn der Himmel strahlend blau ist. Und an den alten Buchenwäldern entlang der Kreidefelsen konnte er sich gar nicht satt sehen. Schon nach wenigen Tagen setzte er sich selbst ans Steuer und fuhr mit Begeisterung durch die für Rügen typischen Alleen. Zum ersten Mal im Leben Apfelbäume sehen und sich selbst die Früchte pflücken war einfach toll, denn auf Lombok kennt man zwar Äpfel, aber sie werden alle importiert. Hier hängen sie rot an den Bäumen und A’an fühlte sich wie magisch angezogen.


Mit all diesen neuen Erfahrungen begibt er sich bald wieder auf den Rückweg nach Lombok und wird besonders den älteren Leuten beweisen können, dass man eine Auslandsreise auch unbeschadet überstehen kann. Als anderer Mensch wird er in Indonesien mit seinen Traditionen wohnen, vieles mehr als vorher zu schätzen wissen, alles Erlebte sacken lassen und dann weitersehen. Doch mit Sicherheit wird er wieder Äpfel pflücken wollen …



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