Zwischen Rinjani und Alpen: Wo Berge Geschichten erzählen
- stephaniekuhlmann
- 20. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Von A’an

Der Rinjani Nationalpark mit dem zweithöchsten Berg Indonesiens (3.726 m) ist ein großes Abenteuer, wenn man dort zum ersten Mal wandert. Man braucht Kleidung für warmes Wetter und Kleidung für kältere Temperaturen am Gipfel. Die Wege sind kaum gekennzeichnet, sodass man einen Guide benötigt. Und natürlich gibt es keinen Schnee. Ich bin mit Stephie, Jörg und Anna im August dort gewesen und kann diese Tour auf jeden Fall empfehlen, wenn man einige Dinge beachtet. Hier ist unser Erfahrungsbericht.

Zwei Monate später, als ich in Deutschland zu Besuch bin, reisen wir nach Mittenwald in Bayern. Die Berge dort kann man natürlich gar nicht mit dem Rinjani vergleichen. Es gibt ja sogar Schnee auf den Gipfeln, weil die Temperaturen ganz andere sind. Mittenwald ist ein kleiner Ort, der hauptsächlich durch den Geigenbau bekannt geworden ist. Wir sind hier, weil Stephie in ihrer Kindheit oft Urlaub in Mittenwald gemacht hat und mir und Anna mal alles zeigen möchte. An den Häuserwänden gibt es so genannte Lüftlmalereien. Das sind richtige Szenen oder Ornamente dreidimensional an den Gebäuden, durch die bunten Farben wirkt Mittenwald sehr fröhlich. Ich mag auch die Holzbalkone an den Häusern, das sieht alles ganz anders aus als in Hamburg, wo wir sonst leben.

Nach der ersten Übernachtung in einer Holzhütte in Scharnitz (Österreich, gleich hinter der deutschen Grenze) fahren wir zurück nach Mittenwald zur Station mit Sessellift. Wir fahren jeder hintereinander auf einem eigenen Stuhl. Zum Glück ist das nicht so hoch und die Fahrt ist auch langsam, manchmal direkt über den Bäumen oder dem Wanderweg. Ich finde das total lustig und mache ganz viele Fotos und Videos. Um uns herum ist es so ruhig und das Wetter ist traumhaft schön, zwar nicht mehr so warm, aber die Sonne scheint. Am Ende der Fahrt muss man mit Schwung zur Seite springen. Jetzt beginnt unsere Wanderung zum Hohen Kranzberg (1.391m). Oben sind Bänke und Liegen, von wo aus man einen schönen Blick in die Berge hat. Nach einer Pause wandern wir bergab Richtung Lautersee.

Die Landschaft wechselt, und besonders schön ist es, als wir im Wald sind und weit unten den grün-blau glitzernden See entdecken, ein magischer Moment und so friedlich. Unten angekommen fühlt es sich an, als wäre man im Sommerurlaub am See, es ist viel wärmer, Kinder lachen und alle sitzen noch draußen. Auch wir entscheiden uns für einen Biergarten am See, wo wir verschiedene typisch bayrische Gerichte wie Kaiserschmarrn probieren. Unser Weg zurück nach Mittenwald führt uns durch das Laintal. Immer ein bisschen bergab entlang eines kleinen Flusses. Stephie kennt das alles noch von früher.

Es gibt auch kleine Wasserfälle, die im Vergleich zu Lombok sehr niedlich aussehen. Eine Madonna im Felsen, denn in Bayern sind die Menschen sehr religiös. Zurück in Mittenwald holen wir das Auto und fahren noch zur Leutaschklamm. Das ist eine Schlucht mit viel Wasser, durch die man über eine kleine lange Brücke gehen kann. Das Wasser schlägt gegen das Gebirge, was sehr laut ist und sich imposant anhört. Witzig ist auch ein Grenzschild, denn man geht von Deutschland nach Österreich. Für mich ist das alles wie ein Traum, aber ich bin auch super kaputt nach dem Tag.

Fazit Mittenwald: Am schönsten an diesem Tag ist, dass wir frische Luft und wunderschöne Bäume genießen können, uns friedlich fühlen und erkennen, wie Gott eine wunderschöne Aussicht geschaffen hat. Ich bin dankbar für alles, was wir gesehen haben. Und natürlich ist der See für mich der schönste Ort. Nachdem wir gewandert sind, fühlen wir uns am Ende sehr willkommen, sowohl im Restaurant als auch in der Natur. Für diesen Moment habe ich nur einen Satz: Sei dankbar, bevor du all das nicht mehr genießen kannst. Dieser Moment ist vollkommen gelungen.

Am zweiten Tag wollen wir eigentlich von Mittenwald aus ins Karwendelgebirge (2.385 m) fahren, doch wegen Wind fährt die Seilbahn nicht. Wir entscheiden also spontan, nach Innsbruck zu fahren, von wo aus man auch ins Karwendelgebirge kommt. Die Nordkette bei Innsbruck mit dem Aussichtspunkt Hafelekar liegt auf ca. 2.300 m, und man kann dort mit der Hungerburgbahn rauffahren. Am Anfang ist das ein bisschen wie U-Bahn-Fahren. Wir müssen zweimal aussteigen und die Bahn wechseln. Es ist super voll mit anderen Touristen. Insgesamt fahren wir eine halbe Stunde, dann sind wir ganz oben.

Innsbruck ist ganz klein unter uns. Wir haben einen tollen Ausblick und gehen auch etwas spazieren bis zum Gipfelkreuz. Ich kann das alles gar nicht glauben. Es gibt sogar Schnee im Oktober, und ich fasse zum ersten Mal in meinem Leben Schnee an. So beeindruckend es ist, weht uns aber auch ein kalter Wind um die Ohren, dass wir gemeinsam entscheiden, den Gipfel zu verlassen.

Als wir wieder unten sind, besuchen wir noch die Altstadt von Innsbruck und essen beim Italiener zu Mittag. Ich finde die Stadt sehr hübsch, weil sie am Wasser liegt, und man immer die Berge im Hintergrund sieht. Außerdem ist Innsbruck nicht so groß. Das Wetter ist bis zum Abend sehr sonnig, die Menschen sind fröhlich und viele sitzen noch draußen in Cafés, das gefällt mir. Auf dem Weg zurück zum Auto überlege ich: Wir waren am Rinjani und in den Alpen, ganz unterschiedliche Berge, doch alle erzählen Geschichten. Mit den Bildern im Kopf fahren wir dankbar an diesem Abend zurück in unsere Holzhütte kurz vor der deutschen Grenze und sind uns einig, dass wir bestimmt noch einmal zurückkommen.
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