Von Lombok nach Hamburg: die Vespa als Sprache der Freundschaft

Von Anna und A'an
Manche Fahrzeuge sind mehr als Verkehrsmittel: Sie werden zum Erinnerungsstück, zum Treffpunkt und zum Symbol für ein Lebensgefühl. Die Vespa ist eines davon. Auf der indonesischen Insel Lombok bedeutet sie Ausflug mit Freunden, gemeinsame Touren entlang von Stränden und Reisfeldern, handwerkliche Schraubarbeit und ein starkes Gefühl von Zusammenhalt.
Hamburg gehört zu den wichtigsten Vespa-Städten Deutschlands. Deutschlandweit ist Vespa seit 2010 Marktführer bei Motorrollern. 2025 entfiel mehr als jeder dritte neu zugelassene Roller auf eine Vespa. In Hamburg steht die Vespa für klassischen Roller-Charme, individuelle Umbauten und eine Szene, die sich in Werkstätten und Community-Treffs wie dem Two Stroke Loft in Barmbek-Nord begegnet.

A‘an kennt beide Welten. Auf Lombok ist er seit drei Jahren Mitglied in einem Vespa Club. Sein Motto lässt sich sinngemäß so zusammenfassen: „Eine Vespa, eine Million Geschwister.“ In Hamburg hat A’an zweimal die Vespa Werkstatt Two Stroke Loft besucht und sich mit dem Geschäftsführer Bengt Lange ausgetauscht. Im Gespräch erzählt er vor allem, was das Fahren einer alten Vespa auf Lombok bedeutet (anders und zugleich ähnlich wie in Hamburg): zwei Orte, tausende Kilometer auseinander, verbunden durch den Klang eines Zweitakters, den Spaß am Fahren und die Freude, mit Gleichgesinnten unterwegs zu sein. Auch Anna kennt ein bisschen beide Welten, denn sie ist schon auf Lombok bei einer Spendenausfahrt mitgefahren, und in Hamburg fährt sie selbst seit kurzem eine neue Vespa.

Anna: A’an, du fährst seit deinem 10. Lebensjahr Roller, wie bist du damals dazu gekommen?
A’an: Auf Lombok ist es ganz normal, dass man schon früh Roller fährt. Das erste Mal habe ich heimlich den Roller von meinem Onkel geliehen, während er Mittagsschlaf gemacht hat. Mir hat es keiner beigebracht, sondern man hat sich das meiste einfach von den anderen abgeguckt. Klar, dass es da auch schnell kleine Schäden am Roller oder an der Person gab (lächelt).
Anna: Was bedeutet die Vespa für dich persönlich und für die Menschen auf Lombok allgemein, ist sie eher Transportmittel oder Lebensstil?
A’an: Ganz klar Lebensstil, denn die Vespa steht für Freundschaft, Gleichheit und Freiheit. Egal, wo man herkommt oder welchen Beruf man hat, auf der Vespa sind wir alle gleich und miteinander verbunden, der andere ist wie ein guter Bruder, und wir sind immer füreinander da. Das erste Mal auf einer Vespa bin ich schon während der Junior High School gefahren, also war ich vielleicht 14 Jahre alt. Das war ein gutes Gefühl, aber später hat mein Vater sie leider verkauft.

Anna: Erzähl mal von deinem Vespa Club: Wie bist du zum Verein gekommen und was macht ihr dort?
A’an: Es passiert natürlich, dass man ein Problem mit seiner alten Vespa hat, so war es auch bei mir, ein Freund hat mir jemanden mit einer Werkstatt empfohlen. Dann ging es schnell, dass ich in die Community aufgenommen wurde. Und später habe ich schon an der ersten gemeinsamen Ausfahrt teilgenommen, das war eine Fahrt nach Sembalun. Dort fand ein großes Treffen statt. Auf Lombok sind Vespa-Treffen oft mit Musik, Workshops, Ausfahrten und sozialen Aktionen verbunden. Wir treffen uns mit anderen Communitys zum Beispiel von Bali und gratulieren zu religiösen Festen, egal ob Islam, Hinduismus, Christentum oder Buddhismus. Bei uns fahren auch Leute mit wichtigen Berufen mit wie Polizisten oder bekannte Musiker. Alle verbreiten die Botschaften unserer Vespa Gemeinschaft.

Anna: Wie ich selbst auf Lombok mit erlebt habe, organisiert ihr auch Spendenprojekte im Verein. Warum ist euch dieses soziale Engagement wichtig?
A’an: Wir wollen nicht nur zeigen, dass wir die alten Fahrzeuge pflegen, sondern auch dass wir für die heutige Gesellschaft da sind und Gutes tun, für alle besonders auch außerhalb der Vespa Familie.
Anna: Ja, das stimmt, für mich war es auch ein tolles Gefühl, den Leuten zu helfen. Gibt es ein besonderes Erlebnis auf dem Roller, das dir besonders gut gefällt?
A’an: Wenn man auf der Vespa unterwegs ist, und ein anderer Vespa Fahrer, den man nicht kennt, kommt einem entgegen, grüßt man sich, lächelt oder unterhält sich sogar. Die Spontanität und Zusammengehörigkeit gefällt mir.

Anna: Das verstehe ich gut. Du warst mehrmals im Two Stroke Loft in Hamburg. Was hat dich dort besonders beeindruckt?
A’an: Ich wurde sofort willkommen geheißen und herzlich empfangen mit Kaffee und guten Gesprächen. Ein Mitarbeiter hat mich überall herumgeführt und mir die alten Vespas, Projekte und die vielen Ersatzteile gezeigt. Ein anderer war auch schon in Indonesien und mit dem Geschäftsführer habe ich Aufkleber und Sticker ausgetauscht. Er hat mir vom Vespa Club Hamburg erzählt, dessen Vorsitzender er ist. Und ich werde dort bestimmt mal vorbei schauen.
Anna: Vielen Dank für das interessante Gespräch und weiterhin gute Fahrt auf der Vespa auf Lombok oder hier bei uns in Hamburg!
Ich danke dir ebenfalls!
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