Abschied von Gili Air mit Hindernissen

Aktualisiert: 4. Feb 2019

Unser letztes Frühstück auf Gili Air bekommen wir von A’an serviert. Wir genießen die letzten Momente mit ihm, und sind gleichzeitig etwas wehmütig. Als wir gehen, verspreche ich, dass wir um 13 Uhr noch einmal im Restaurant essen werden. Doch dann kommt alles ganz anders. Während Anna und ich lustlos packen, ruft mich Jörg vom Hafen aus an, dass unser Boot schon um 12 Uhr fährt, danach würde es keine weiteren Abfahrten geben. Ich schreibe A’an eine Kurznachricht, doch er reagiert nicht. Nachdem wir fertig für die Abreise sind, gehen wir noch einmal zum Restaurant. Er wäre in der Pause, sagt uns ein anderer Kellner. Ich frage an der Rezeption, ob man ihn nicht anrufen könne. Nein, man hätte angeblich keine Telefonnummer von ihm. Ich sehe in das enttäuschte Gesicht meiner Tochter und bin schon leicht verzweifelt.


Jetzt verfluche ich meine erzieherische Weisheit


Dann kommt die Pferdekutsche, die uns zum Hafen bringen soll. Mit einem Kloß im Hals sitze ich schließlich neben den Koffern und das Hotel wird immer kleiner, von A’an keine Spur. Meine Tochter hat Tränen in den Augen, und auch ich kämpfe gegen die Traurigkeit. Schon oft habe ich ihr gesagt, man müsse sich immer ordentlich verabschieden. Jetzt verfluche ich meine erzieherische Weisheit. Am Hafen angekommen wähle ich mich ins WLAN eines Cafés ein, doch auch meine neuesten Nachrichten bleiben unbeantwortet. Immer wieder fliege ich aus dem Netz, wähle mich neu ein und höre nicht auf, zu hoffen. Anna blickt mich traurig an, während ich sie gleichzeitig beruhige, dass schon alles gut werden wird. Indessen kümmert sich Jörg darum, dass wir auch das richtige Boot erwischen. Es ist wahnsinnig viel los und eigentlich müssten wir versuchen, als Familie zusammenzubleiben, doch irgendeine Stimme sagt mir immer wieder: nicht aufgeben.


Arm in Arm mit meiner Tochter warten wir weiter

Ein Wink des Schicksals ist immerhin, dass das Boot Verspätung hat. Und dann endlich, nach etlichen Versuchen, antwortet A’an: „Ihr seid schon am Hafen? Ich wünsche euch eine gute Reise!“ Ich schreibe, dass das Boot Verspätung hat, Anna sehr traurig ist und er zum Hafen kommen soll, um sich zu verabschieden. Keine Antwort. Arm in Arm mit meiner Tochter warten wir weiter. Und dann, wie ein kleines Wunder, steht A’an auf einmal vor uns. Er muss gelaufen sein, ist noch ganz außer Atem. Er erzählt uns, dass er sich in seiner Pause ausgeruht hat. Und das nicht irgendwo, sondern in einem Raum direkt über der Rezeption, während wir dort standen und nach seiner Telefonnummer gefragt haben. Verrückt! Als ich Anna ansehe, lächelt sie. Jetzt können wir uns endlich richtig von A’an verabschieden. Auch er hat keine Zeit mehr, denn er muss schnell zurück zu seiner Arbeit. Er sucht noch nach Jörg, doch der ist irgendwo im Gewühl verschwunden. Kurz darauf finden wir ihn und unser Boot kommt, was für ein Timing!






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