Warten auf ein Lebenszeichen nach dem schweren Erdbeben auf Lombok


Am Tag nach dem erschreckendem Anruf von A’an, dass das Erdbeben sein Haus zerstört hat, warten wir vergebens auf ein Lebenszeichen. Immer wieder schaue ich auf mein Handy, doch meine letzte Nachricht, die ihm Mut machen soll, bleibt unbeantwortet. Schließlich schreibe ich weiteren Freunden und Bekannten, die ebenfalls auf Lombok leben. In den Medien erfährt man nur wenig über das Erdbeben, deshalb ist es ohnehin wertvoller, mit den Menschen vor Ort zu sprechen. Wir hoffen sehr, dass alle unversehrt sind. Was wird mit Novys Klassenraum sein? Steht er noch oder muss er am Ende neu aufgebaut werden? Existiert die Villa Stanley noch, in der wir für den längeren Aufenthalt schon unser Haus reserviert haben? Und was ist mit der internationalen Schule?


Die Gilis wurden komplett evakuiert


Die Schulsekretärin ibu Yuyun ist die erste, die antwortet. Das neue Schulgebäude in Mataram sei zum Glück heil geblieben, aber der Unterricht würde erst einmal bis auf weiteres ausfallen. „Wir hatten solche Angst, aber Gott sei Dank sind wir alle in Ordnung. Ich habe mit meiner Familie im Wohnzimmer geschlafen und die Tür offen gelassen. Am schlimmsten hat es den Norden getroffen. Viele Helfer konnten manche Dörfer gar nicht erreichen, weil die Zugänge zerstört sind“, schreibt sie mir. „Alle Menschen auf den Gili Inseln wurden evakuiert, viele Touristen sind von anderen Orten aus geflogen und haben Indonesien verlassen, weil es auch eine Tsunami-Warnung gegeben hat. Zum Glück ist es jetzt besser.“ Ich erzähle ihr von A’an und seiner Familie im Norden von Lombok, und dass ich keinen Kontakt mehr zu ihm habe. „In eigenen Regionen gibt es keine Stromversorgung und kein Netz mehr, ich hoffe, das ist der Grund, warum er sich nicht meldet.“


Ein Lebenszeichen von A’ans Deutschlehrerin


Von Tilmann erfahre ich, dass die Villa Stanley so gut wie unbeschadet geblieben ist, denn die Gegend um Senggigi ist nicht so sehr betroffen. Immerhin einige Hoffnungsschimmer. Am Nachmittag meldet sich auch A'ans zukünftige Deutschlehrerin Novy, und ich bin erleichtert über das Lebenszeichen. Gott sei Dank wären sie alle am Leben, aber sie sei sehr erschüttert über die Geschehnisse, ihre Knie würden noch immer zittern. Ihr Haus und der Klassenraum seien zum Glück in Ordnung, aber die ganze Familie sei traumatisiert und zu Verwandten in den Süden von Lombok geflüchtet. „Der Deutschkurs kann erst einmal nicht stattfinden“, sagt Novy, und ich staune über ihre Gewissenhaftigkeit. Genauso wie ibu Yuyun ist auch Novy dankbar für unsere Gebete.


Lomboks Norden gleicht einer Trümmerwüste


Auf A’ans Antwort warte ich noch immer, doch dann meldet sich zumindest Michael (der Inhaber von Shibui Garden, wo wir auf Lombok gewohnt haben). „Unsere Bungalows sind ok, da sie flexibel gebaut sind, aber die ganze Gegend zwischen Bangsal und Tanjung gleicht einer Trümmerwüste, alle Dörfer wurden ausnahmslos zerstört.“ Er schickt mir ein Video, in dem man sieht, wie alle Häuser und sogar Moscheen in Schutt und Asche liegen. Die Stromversorgung sei größtenteils unterbrochen. Ich versuche mich damit zu beruhigen, dass A’an am Leben ist und bestimmt Probleme mit seinem Handy hat, sodass er sich nicht melden kann. Trotzdem wälze ich mich in der Nacht im Bett hin und her, weil die Angst nicht weichen will, und mir die Bilder aus Michaels Video nicht aus dem Kopf gehen.


Wann wird A’an sich endlich melden? Das Bangen und Hoffen geht weiter, mehr dazu im nächsten Beitrag.

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