Von Insel zu Insel: Neujahrstag auf Rügen und Lombok

Aktualisiert: 13. Mai 2019


Als wir uns per Video-Call zum Neuen Jahr gratulieren, ist es bei uns in Binz auf Rügen 15 Uhr am Nachmittag und auf Lombok schon abends um zehn. Wir sind am Strand von Binz und A‘an im Krankenhaus von Mataram zusammen mit seiner Familie. Onkel, Tante, Cousin und Bruder, jeder winkt mindestens einmal in die Kamera, um mit Deutschland verbunden zu sein. A’an staunt über den breiten weißen Strand, und dass dort niemand liegt. Ich erkläre ihm, dass es im Winter viel zu kalt ist, und wir deshalb nur spazieren gehen.


Er tut alles dafür, dass die Oma wieder gesund wird


Schon Wochen vorher hatte A‘an mir geschrieben, dass seine Oma an starkem Asthma leidet. Um die ärztliche Behandlung bezahlen zu können, hat er sein Motorrad verkauft. Ich hatte mich erstaunt darüber geäußert, doch für ihn ist es selbstverständlich. Schließlich liebt er seine Oma und tut alles dafür, dass sie wieder gesund wird, vor allem betet er jeden Tag für sie.


Zurück im Ferienhaus baut Anna ihre Playmobil Männchen so auf, dass sie mit ihnen erweiterte Familie spielen kann. Ich mache ein Foto davon und schicke es A’an. Er fragt mich, warum er denn keinen Pullover trage, es sei doch kalt in Deutschland, und so dunkel sei er auch nicht. Er schickt noch ein lachendes Emoji hinterher, und auch ich muss nun schmunzeln.


Was der Staat nicht auffängt, regelt die Dorfgemeinschaft


Später am Abend denke darüber nach, wie es bei uns in Deutschland ist und bin auf einmal dankbar, dass Behandlungen im Krankenhaus als Kassenpatient kostenlos sind. Klar, wir zahlen dafür monatliche Pflichtbeiträge, insofern zahlen wir doch, und kostenlos ist nicht ganz korrekt. Aber unser Sozialsystem ist trotz aller Kritik sehr viel besser als in Indonesien. Was der Staat dort nicht auffängt, regeln allerdings die Dorfgemeinschaft (in den Städten gibt es andere Strukturen) und die Verwandtschaft. So wie es bei uns (auch in den Großstädten) zu Zeiten unserer Großeltern war, ist es in Indonesien größtenteils bis heute. Mal springt die Tante ein, mal der Vater, es ist selbstverständlich, dass man zusammenhält und sich gegenseitig unterstützt. Dazu kommt noch der tief empfundene Glaube. Man betet zusammen, wenn jemand krank ist und hofft darauf, dass schon alles gut gehen wird.


Wer unterstützt euch am besten in schwierigen Zeiten?


Wie ist es bei euch? Wer oder was hilft euch am meisten, wenn es euch nicht gut geht oder ihr Hilfe benötigt? Bei mir sind es mein Mann und meine Tochter und die engsten Freunde. Als meine Mutter vor zwei Jahren verstorben ist, hat mir allerdings auch meine Chefin durch Gespräche und Mitgefühl sehr geholfen. Und mein Glaube ist seitdem stärker geworden.

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