In seinem Dorf im Norden von Lombok sind wir die Exoten

Aktualisiert: 17. Feb 2019


Wir fahren mit dem Scooter von unserem Bungalow aus in A’ans Dorf in der Nähe von Tanjung, denn Anna möchte unbedingt auch ihre Geschenke bekommen, nachdem er schon unsere ausgepackt hat. Entlang der Hauptstraße Richtung Bangsal werden wir von Autos und anderen Rollern überholt. A’an verlangsamt das Tempo und biegt in einen schmalen Weg. Er zeigt auf ein großes Gebäude, seine Schule, die er als Kind besucht hat. Weitere kleine Häuser tauchen auf. „Wir sind da“, sagt A’an und fährt nur noch im Schritttempo. Das Dorf besteht aus vielen kleinen Einfamilienhäusern, ein älterer Mann liegt in der Hängematte, eine Frau kocht über offener Flamme, und ein paar Meter weiter wird ein Baby in den Schlaf gewogen.


Touristen sind hier seltene Gäste


Einige Leute rufen uns aufgeregt entgegen, als wären wir hohe Gäste. Ich frage, was sie sagen. „Anna sei hübsch“. Für sie ist das ungewohnt, denn sie sei doch ganz normal und würde auch gern so behandelt werden. „Nein, mein Schatz, hier sind wir die Exoten, es ist etwas ganz Besonderes, dass sich Touristen hier verirren“, erkläre ich ihr. Natürlich wussten schon viele vorher, dass wir kommen und wechseln nun ein paar freundliche Worte mit uns. Meine spärlichen Vokabeln reichen immerhin, um diesen auf Indonesisch zu entgegnen.


Schließlich sind wir mit A’an allein und sitzen im Vorraum seines Hauses erwartungsvoll im Schneidersitz. Lächelnd überreicht er uns seine Geschenke. Es sind eigens für uns hergestellte Schmuckstücke und selbst gemalte Bilder. Wir sind sehr gerührt. Auch ist es schön, ein altes Kinderfoto von ihm und seiner Schwester zu betrachten, das an der Wand hängt. Doch während wir uns freuen, entschuldigt sich A’an dafür, dass sein Haus sehr klein sei. Ich versuche ihm klar zu machen, dass mein Studentenzimmer damals sogar noch kleiner war. Der Vergleich hilft aber nicht, denn er schämt sich trotzdem. Eine typische Eigenschaft von Indonesiern, wie ich inzwischen gelernt habe …


Indonesisch essen mit der Hand


Falls ihr euch jetzt fragt, wo Jörg denn geblieben ist, muss ich euch leider erzählen, dass er mit einer Magen-Darm-Geschichte im Bett liegt und von Michael mit Tee und Milchreis versorgt wird. Immerhin! Anna und ich dagegen sind richtig mutig und lassen uns darauf ein, mit A’an in einem Warung in Tanjung zu essen. Diese Garküchen sind äußerst günstig und sehr indonesisch, allerdings auch nicht für jeden Magen geeignet. Jetzt sitzen wir hier als einzige Touristen und wollen uns den indonesischen Gewohnheiten anpassen. Deshalb essen wir unser frittiertes Hähnchen statt mit Besteck mit der rechten Hand. Das sieht allerdings längst nicht so elegant aus wie bei A’an, bei mir ähnelt es eher der Essensweise eines zweijährigen Kindes. Jedes Mal, wenn ich den Reis zwischen die Finger nehme, fällt die Hälfte auf dem Weg zu meinem Mund auf den Tisch. Eine kleine Wasserschüssel steht parat, um sich immer wieder zwischendurch die Hand zu waschen. Um nicht zu verhungern, nehme ich noch die linke Hand dazu und entschuldige mich dafür, denn sie gilt in Indonesien als unrein. A’an nickt daraufhin. Als er uns am späten Abend zurück ins "Shibui Garden" bringt, geht es Jörg etwas besser, dafür muss ich nun eine seiner Kohletabletten nehmen …

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