Wie uns die Hindus überraschten

Aktualisiert: 27. Jan 2019



Das schöne bunte Foto, auf dem wir mit den Hindus zu sehen sind, hat eine Geschichte, die wir euch heute erzählen möchten. Aber zuvor geht es erst einmal gedanklich nach Ostbali. Kurz bevor wir nach Denpasar geflogen sind, ist der Mount Agung erneut ausgebrochen. Bis zum Schluss haben wir gehofft, dass unser Flug dadurch nicht beeinträchtigt wird. Und wir hatten tatsächlich Glück, bis auf eine kleine Qualmwolke ist nichts mehr ausgetreten.


Von Sidemen (Ostbali) aus machen wir heute eine Tagestour zum Mutterpalast Besakih. Er ist der größte und wichtigste aller Tempel für die Hindus auf Bali. In jedem Reiseführer steht, dass er komplett überlaufen ist, und man sich vor den Händlern in acht nehmen soll. Als wir auf dem letzten Parkplatz aussteigen, wird jeder von uns mit einem Roller bis zum Fuße des Tempels gebracht. Wir haben einen eigenen Guide und sind fast allein in der Anlage. Von Händlern fast gar nichts zu sehen. „Warum sind hier so wenige Leute?“, wollen wir wissen. „Es gibt Fehlinformationen, dass es wegen des Vulkans gefährlich sei, doch er ist ganz ruhig, und außerdem ist der Tempel auf der Seite errichtet worden, die noch nie von Lavaströmen beschädigt wurde.“


Ganesha soll uns Glück bringen


Auf dem Weg zu einem anderen Vulkan mit dem Namen "Batur", der schon lange nicht mehr ausgebrochen ist, hält unser Fahrer Manju ein paarmal am Wegesrand an, um uns den Mount Agung zu zeigen, doch er ist versteckt hinter einer Wolkendecke. Nicht so schlimm, denke ich, wenigstens schläft er. Als wir am Batur See ankommen, ist dieser Vulkan wiederum in Nebel gehüllt, und auch von dem See sieht man nicht die volle Größe. Kaum zu glauben, dass er mit seinen 140 Quadratkilometern einer der größten Vulkanseen weltweit ist. Erst als wir im Restaurant sitzen mit guter Aussicht, vertreibt die Sonne den Nebel und gibt den Blick auf den 1.717 Meter hohen Vulkan frei.


Gut gestärkt erreichen wir den hinduistischen Tempel Ulundanu Batur. Wie bei jedem Besuch einer solchen religiösen Stätte müssen auch wir einen Sarong tragen, den wir uns gegen ein kleines Entgelt ausleihen. Hinter dem Tor verbirgt sich eine geheimnisvolle Welt aus Göttern, Dämonen und einzelnen Tempeln. Ganesha, die Elefantengestalt, die für Glück und Neuanfang steht, ist bunt bemalt und in eine Nische eingelassen. Ich streiche mit der Hand darüber, um vielleicht von dem Geist zu profitieren.


In Indonesien sind wir die Exoten



Ein weiteres Tor führt zu der freien Fläche, auf der sich auch ein Altar befindet, vor dem gerade eine Zeremonie abgehalten wird. Wir bleiben stehen und beobachten respektvoll die Gebete. Es sind auch Kinder unter den Gläubigen. Die Rituale werden zumeist dreimal durchgeführt, da die Hindus drei Göttergestalten verehren: Brahma, Vishnu und Shiva, die zusammen eine Dreigestalt bilden. So wurde es uns erklärt.


Und dann ist die Zeremonie auf einmal vorbei, das vorher geordnete Miteinander löst sich auf und die Gläubigen kommen auf uns zu. Wir machen Platz, doch eine Frau bedeutet uns mit der Hand stehen zu bleiben. Ich verstehe noch immer nicht, was sie möchte, die anderen lachen, eine andere Frau zeigt auf ihr Handy. Dann endlich verstehen wir, sie möchten Fotos mit uns machen. Von mehreren Seiten klicken die Auslöser und wir kommen uns wie Prominente vor. Doch in ihren Augen sind wir etwas Besonderes, weil wir so exotisch aussehen. Ich gebe der Fotografin auch mein Handy vertrauensvoll in die Hand, und so ist das Foto entstanden, das nun unseren Blog ziert. Als alle mit ihren Fotos zufrieden sind, verbeugen sie sich mit gefalteten Händen vor uns, wir erwidern diese Geste und fühlen uns ganz beseelt.

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