„Verschiedenheit betrachte ich als Bereicherung“ – Daniel Abdin über Integration in Hamburg


Stephanie Kuhlmann im Interview mit Daniel Abdin in der Hamburger Al-Nour Moschee

Daniel Abdin ist als Libanese mit 16 Jahren und ohne deutsche Sprachkenntnisse nach Deutschland gekommen. Er weiß, was es bedeutet, sich durchzukämpfen, aber auch das Leben von der positiven Seite zu betrachten. Heute ist er der Vorsitzende des Islamischen Zentrums Al-Nour e.V. und des Zentralrates der Muslime in Deutschland Landesverband Hamburg und Mitglied des Bezirksintegrationsbeirats Hamburg-Mitte. Ihm ist es u. a. zu verdanken, dass ein leerstehendes Kirchengebäude zu einer wunderschönen Moschee umgebaut wurde und wieder als Gotteshaus genutzt werden kann. Es steht auch Nicht-Muslimen immer offen und ist bewusst transparent gehalten. Aus Respekt vor der Kirche ist die Sure, die den Innenraum schmückt, auch ins Deutsche übersetzt und hängt gerahmt an der Wand. Wir haben den sympathischen Mann für ein Interview in Hamburg-Hamm getroffen.

Unser Blog heißt „einfach weltoffen“, weil wir meinen, dass man viel im Leben geschenkt bekommt, wenn man unvoreingenommen auf Menschen aus anderen Kulturen zugeht und sein Herz öffnet. Herr Abdin, was verstehen Sie unter dem Begriff „weltoffen“?

Daniel Abdin: Für mich bedeutet das, offen für Gespräche und kommunikativ zu sein, keine Angst vor dem Fremden zu haben, sondern die Verschiedenheit als Bereicherung anzusehen. Es ist selbstverständlich, dass Menschen unterschiedlich sind, und ich begegne ihnen mit Respekt. Der Mensch steht für mich im Mittelpunkt, ganz gleich, welche Hautfarbe er hat, wo er herkommt und welcher Religion er angehört.

Sie praktizieren jeden Tag gelebte Nachbarschaft, und versuchen, Vorurteile abzubauen. Wo stehen Sie mittlerweile auf einer Skala von 1-10, wenn 10 am besten ist?

Offener Austausch beim Friedensdialog 2019

Ich würde sagen, eine gute 8, denn wir haben in der Zwischenzeit schon viel Vertrauen aufgebaut. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen, sondern bedarf sehr vieler Gespräche und gemeinsamer Aktionen. Gerade hatten wir die Aktion „Hamburg räumt auf“, wo Gemeindemitglieder in der Sievekingsallee mitgemacht haben. Und das diesjährige Zuckerfest haben wir auch mit Nicht-Muslimen gefeiert, das Angebot kam in der Nachbarschaft sehr gut an. Ganze bestimmt haben auch die Friedensdialoge zum gegenseitigen Verständnis beigetragen. Dort haben christliche, muslimische und jüdische Vertreter offen miteinander oft diskutiert. Menschen, die Erfahrungen mit anderen Kulturkreisen gemacht haben, sind in der Regel vorurteilsfreier. Am Alter kann man das gar nicht festmachen. Trotzdem fangen wir mit der Aufklärungsarbeit bei den Jüngsten an. Ein Projekt wird sich zum Beispiel damit befassen, dass Kinder im Alter von 10-12 Jahren (Muslime und Nicht-Muslime) über Religion, Demokratieverständnis und Ethik diskutieren. Natürlich gibt es immer Luft nach oben, aber wenn die Nachbarschaft inzwischen auf das Gebäude (die Moschee) aufpasst, haben wir schon viel erreicht.

Wird in Ihrem Verein „Integrationspunkt Hamburg“ auch Sprachförderung praktiziert?

Eine Zeitlang gab es Deutsch-Unterricht für geflüchtete Kinder und Jugendliche, allerdings wird dieser Bedarf jetzt an anderen Stellen gedeckt. Stattdessen unterrichten wir in der Al-Nour Moschee den Islam in deutscher Sprache, denn es ist wichtig, seine Kultur zu kennen und sich gleichzeitig dort zu verankern, wo man lebt. Die Sprache ist immer ein Schlüssel und öffnet Türen. Außerdem wollen wir dem Missbrauch im Internet vorbeugen und die jungen Leute aufklären und bestärken, nicht darauf reinzufallen.

Hamburg ist das „Tor zur Welt“, was verbinden Sie mit diesem Slogan?

Für mich ist das nicht nur ein Spruch, sondern einer der Gründe, warum ich Hamburg liebe. Hamburg ist weltoffen, vielfältig, interkulturell und multilingual. Durch den Stadtstaat kennt man sich gut, und das fördert die Kommunikation. Der Hafen ist ein Riesentor zur Welt: Immer wenn ich dort stehe, habe ich das Gefühl, einfach in ein Boot zu steigen und gleich in der Welt zu segeln. Hamburg hat übrigens mehr Brücken als Venedig.

Und einer dieser Brückenbauer sind Sie…

… Ja, das stimmt (lacht)

Vielen Dank für dieses anregende Gespräch!

Ich bedanke mich ebenfalls!

Wer sich auch mal ein Bild von der Moschee machen möchte, ist jederzeit herzlich eingeladen. Einfach Kontakt aufnehmen mit:

Daniel Abdin E-Mail: info@al-nour.de Tel. 040 466 364 88

Islamisches Zentrum Al-Nour

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