Erdbeben auf Lombok - und plötzlich bricht eine Welt zusammen

Aktualisiert: 11. Apr 2019


Vorweg sei kurz erklärt, dass es nun schon eine Weile her ist, was wir euch im Folgenden erzählen. Dennoch möchten wir diesen Part nicht verschweigen, und ihr sollt wissen, wie wir aus der Ferne mitgelitten haben. Leider ist die Erde bis heute nicht zur Ruhe gekommen.


Nur vier Tage, nachdem wir aus Indonesien zurückgekehrt sind, ereilt uns die Nachricht, dass die Erde auf Lombok bebt. A’an wollte es uns erst verheimlichen, um uns nicht zu beunruhigen. Doch über die Medien erfahren wir es doch. Es sei zum Glück nicht viel passiert, meint A’an, aber das Erdbeben hätte sie natürlich sehr überrascht.


In der darauffolgenden Woche schaue ich ständig ins Internet, ob es Neuigkeiten gibt. Andererseits wollen wir an unserem freien Sonntag auch mal auf andere Gedanken kommen und fahren nach Lauenburg, wo wir die Altstadt lieben und die Lage an der Elbe. Wir betreten unser Lieblingscafé „von Herzen“, und ich freue mich schon auf die leckere Stachelbeer-Baiser-Torte.


Morgen soll der Deutschkurs beginnen


Während wir auf die Bestellung warten, schreibe ich eine Nachricht an A’an, denn morgen fängt schon sein Deutschkurs an. Er verrät mir, dass er aufgeregt sei, aber sich auch freue, dass es losgehe. Als ich ihm verrate, wo wir gerade sitzen, und dass wir auch später einmal zusammen nach Lauenburg fahren könnten, reagiert er überraschenderweise nicht mehr. Dafür bringt die Kellnerin unsere Getränke. Vielleicht wurde gerade zum Abendgebet gerufen, denke ich und trinke einen Schluck von meinem Latte Macchiato. Ich blicke für einen Augenblick nach draußen auf die Elbe und erfreue mich dann an den schönen Accessoires, die hier liebevoll die Fensterrahmen schmücken.


Ein verhängnisvoller Anruf


Plötzlich klingelt mein Handy und ich sehe, dass es A’an ist. Warum ruft er mich an? Ich nehme ab, doch ich bekomme keinen Empfang. Wieder klingelt es, und dann endlich höre ich seine Stimme, doch sie zittert. „Mom“, ruft er, „my home is broken, my own home, the earthquake came so big.“ Es verschlägt mir die Stimme, doch dann versuche ich ihn zu beruhigen, sofern das überhaupt möglich ist angesichts der Tatsache, dass das Erdbeben gerade sein Haus zerstört hat. „Es tut mir so leid, ich fühle mit dir“, entgegne ich auf Englisch, und es kommt mir vor, als würde ich selbst nicht begreifen, was gerade passiert ist. Doch dann ruft er ganz erschrocken: „Mom, the earthquake comes back, oh my god.“ Die Leitung bricht ab, und ich schaue in die fragenden Gesichter von Jörg und Anna. Ich erkläre, was passiert ist, und beide kommen sofort zu mir. Während wir uns in den Armen halten, schluchze ich vor Fassungslosigkeit. So plötzlich ist eine Welt zusammengebrochen.


Nicht helfen zu können, ist unerträglich


Die Kellnerin bringt die Stachelbeertorte, doch ich habe keinen Appetit mehr. Eine Weile kann ich nichts als einfach nur dasitzen und weinen. Doch dann nagt das Gefühl der Ungewissheit und nichts tun zu können an meiner Geduld. „Lass uns zu den Waschräumen gehen, um dort ein Gebet zu sprechen“, fordere ich Anna schließlich auf. Unter Tränen sprechen wir das „Vaterunser“, während sich mein Herzschlag ein wenig beruhigt. Möge der Himmel ihm und seiner Familie einen Schutzegel schicken. Jörg hat inzwischen die Rechnung bezahlt. In dem kleinen Laden mit Geschenkideen fordere ich Anna auf, sich etwas Schönes auszusuchen. Sie ist so bedrückt, dass ich sie wieder lächeln sehen möchte. Ich bleibe vor dem Regal mit einer kleinen Statue stehen, denn sie berührt mich sofort. Eine sitzende Frau, die ein rotes Herz umschlossen hält. Ich muss etwas tun, immer wieder schaue ich auf mein Handy, doch meine tröstenden letzten Worte, die ich A’an geschickt habe, bleiben unbeantwortet. Das Gute soll siegen, die Liebe soll über allem stehen. Deshalb kaufe ich die Statue und umschließe sie liebevoll mit den Händen.


Etwas später legen wir uns auf eine Decke ans Ufer der Elbe, doch an Entspannung ist nicht zu denken. Es ist unerträglich, nichts mehr von unserem Freund zu hören, nachdem ich noch immer seine Worte im Ohr habe, gerufen mit einer Stimme voller Angst und Panik …


Hoffentlich bekommen wir bald ein Lebenszeichen von A’an. Im nächsten Beitrag erzählen wir euch, wie wir voller Angst darauf warten …

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