Unabhängigkeitstag in Indonesien: Wenn die Tochter die Nationalhymne mitsingen kann 

Aktualisiert: Jan 28


Als wir vor drei Jahren das erste Mal auf der kleinen Insel Gili Air ankamen, wussten wir fast gar nichts vom Unabhängigkeitstag in Indonesien. Wir waren überrascht über die Schülergruppen, die in Uniform zur Musik entlang der Straße marschierten.

Inzwischen wissen wir: Jedes Jahr am 17. August wird der Tag der Unabhängigkeitserklärung vom indonesischen Volk groß gefeiert. Denn am 17. August 1945 erklärte Sukarno die Unabhängigkeit Indonesiens und wurde am Tag darauf zum Präsidenten gewählt. Drei Jahre lang hatten die Japaner das indonesische Volk unterdrückt und wiederum die Niederländer ausgebootet. Diese sahen die Dinge naturgemäß anders und wollten ihr Kolonialreich wiederherstellen. Erst vier Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung und blutigen Auseinandersetzungen einigte man sich auf diplomatischem Wege. Am Ende der Verhandlungen 1949 gingen die Souveränitätsrechte an ein neues indonesisches Staatswesen über. Präsident blieb Sukarno – noch heute ein Held für die Indonesier.

Es ist mucksmäuschenstill

Dieses Mal sind wir am Nationalfeiertag nicht nur Zuschauer, sondern gehören sogar dazu. An Annas Schule findet statt Unterricht ein großes Fest statt. Lehrer, Schüler und Eltern feiern zusammen und alle sind rot/weiß (wie die indonesische Flagge) gekleidet. Der Fahnenappell am Morgen ist sehr berührend, denn alle zusammen – auch Anna - singen die indonesische Nationalhymne. Die Zeremonie führen die indonesischen Lehrer aus, als würde es noch einmal um alle Rechte des Landes gehen. Es ist mucksmäuschenstill, obwohl sogar die Kindergartenkinder „im Volk stehen“. Immer wenn der Ton etwas schärfer wird und die marschierenden Akteure ihre Hacken zusammenknallen, zucke ich leicht zusammen. Nachdem die Flagge schließlich über der Schule weht, darf wieder gelacht werden.

Wir feiern mit allen zusammen

Auf dem Schulhof führen alle Schüler gemeinsam einen schwungvollen Tanz auf, den sie zuvor in den Klassen geübt haben. Später gibt es noch Spiele und Wettbewerbe (z. B. Tauziehen), bei denen auch die Eltern mitmachen. Jörg ist mit von der Partie: Zusammen mit einem amerikanischen und einem indischen Vater laufen sie zu dritt auf zwei Brettern über die Wiese. Anna ist in der Gruppe der Schulleiterin Katherine und amüsiert sich bei einem Quizz über Indonesien. Es gibt zwar Gewinner, aber keine Prämierung, denn der Spaß steht im Mittelpunkt. Am Ende sitzen wir alle draußen auf Matten und picknicken zusammen. Katherine ist überglücklich, denn vor einem Jahr konnten sie wegen des Erdbebens so gut wie gar nicht feiern. Jedem, der sich verabschiedet, schüttelt sie persönlich die Hand.

Als wir uns mit A’an später im Norden von Lombok treffen wollen, brauchen wir für die Strecke doppelt so lange, denn in jedem Dorf marschieren Gruppen und repräsentieren ihre jeweilige Schule. Manchmal als Spielmannszüge, manchmal als Gamelan-Orchester. Auch ist jede Gruppe anders gekleidet, z. B. in Balinesischer Tracht, sodass man einen Teil der Vielfalt der Indonesier erlebt. Auch A’an hat es schwer, durchzukommen, wie wir später von ihm erfahren. Aber am Unabhängigkeitstag stört das keinen. Wir freuen uns darüber, das Fest gemeinsam zu feiern.

Fast jeder hat schon einmal von Bali gehört, aber wie sieht es mit der Nachbarinsel Lombok aus? Während es auf Bali schon 1914 erste Ansätze gab, den Tourismus zu fördern, steckt er auf Lombok noch in den Kinderschuhen. Mehr dazu im nächsten Beitrag …

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