Der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln

Aktualisiert: 16. März 2019


Auf Bali, Lombok und Gili Air haben wir bisher fast immer freundliche Menschen erlebt. Ein Lächeln, ein Gruß, eine aufmerksame Frage. Für uns sind Indonesier die geborenen Dienstleister. Denn anders als bei uns lächeln die Menschen auch, wenn es ihnen nicht gut geht und sogar, wenn sie ihr Gegenüber gar nicht mögen. Das kann in unseren Augen vielleicht falsch wirken, doch dafür haben wir auch noch nie aggressive Menschen erlebt. „Vermöchten wir alle nur für einen Tag höflich zu sein, die Feindschaft unter den Menschen würde sich in Liebe wandeln.“ Dieser Spruch aus China unterstreicht genau das.


Höflichkeit ist bei uns nicht selbstverständlich


Ich denke an ein Erlebnis in der Kantine meiner Arbeitsstelle. Ein Kollege stand zwischen zwei getrennten Essensausgaben und sah sich das Gericht der zweiten Ausgabe an. In dem Moment, in dem ich mich in die erste Schlange stellte, kam er auf mich zu, und sagte in einem leicht erbosten Ton: „Hier stehe ich schon, Sie haben sich vorgedrängelt.“ Ich war völlig perplex, konnte aber immerhin noch reagieren: „Das hat man aber wirklich nicht erkennen können.“ Ich ließ dem Mann den Vortritt und konnte allerdings nicht darauf verzichten zu kommentieren: „Normalerweise sollten Sie als Mann der Frau ohnehin den Vortritt lassen.“ Daraufhin meinte er: „Nein, das finde ich nicht.“


Höflichkeit ist bei uns im Umgang miteinander nicht selbstverständlich, deshalb freue ich mich, wenn mir jemand im Einkaufszentrum die Tür aufhält und mich dann auch noch freundlich anlächelt.


Nicht nur höflich, sondern auch respektvoll


Mit A’an zusammen auf Gili Air gehen wir so aufmerksam miteinander um, dass jeder schnell die Vorlieben des anderen kennt und sich darauf einstellt. Als ich überlege, dass eine wasserdichte Hülle für mein Handy nach dem Schlamassel beim Stand Up Paddling ganz praktisch wäre, fragt A’an sofort einen Bekannten, wo wir so etwas bekommen könnten. Anna möchte morgens gern einen Nutella Crêpe zum Frühstück haben, obwohl der gar nicht auf der Speisekarte steht. Doch A‘an kümmert sich sofort darum, ihren Wunsch zu verwirklichen. Umgekehrt bringe ich ihm und Anna die Handtücher zum Swimmingpool, während sie ganz in ihrem Rugby-Spiel versunken sind. Diese Höflichkeit und Aufmerksamkeit entsteht aus einer Wertschätzung für den anderen, und weil man selbst auch gut behandelt werden möchte.


Äußerst erstaunt bin ich allerdings über A‘an, als wir uns nach dem Schwimmen im Meer am Strand abtrocknen und unter unseren Handtüchern die Badekleidung wechseln. Erst nach einer Weile fällt mir auf, dass unser Freund noch immer im Wasser steht den Rücken zu uns gewandt, obwohl er schon lange friert. Das ist nicht nur höflich, sondern auch respektvoll. Weil A’ans Verhalten uns rührt, beeilen wir uns mit dem Umziehen. Als er vorsichtig schaut, ob wir fertig sind, und dann auf uns zukommt, lächle ich ihn an. Zu viert in diesem Urlaub möchte ich am liebsten die ganze Welt umarmen.

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