Hamburg ist schön, aber auch sehr weit weg – als Indonesier in Deutschland

Von A‘an


Schon seit der Schulzeit ist es mein Traum, einmal nach Deutschland zu fliegen. Wenn ich die alten Gebäude im Fernsehen sah und die schönen Plätze, wurde mein Interesse geweckt. Später lernte ich viele deutsche Touristen auf den Gilis kennen, die ich immer sehr sympathisch fand. Schließlich kam vor fünf Jahren eine besondere Familie in mein Leben: Stephie, Jörg und Anna. Seitdem war mein Wunsch natürlich noch stärker und ich fing an, Deutsch zu lernen bis zur Prüfung A1 am Goethe Institut in Surabaya. Vor zwei Jahren bekam ich dann ein Besuchervisum, durfte wegen Corona und dem EU-Einreiseverbot aber nicht fliegen.


Mein Traum ist wahr geworden

Dieses Jahr hat meine Familie ein halbes Jahr auf Lombok verbracht. Anna hat die internationale Schule besucht und Stephie, meine Mom, als Gastlehrerin für Deutsch als Fremdsprache bei Novy German Course die Schüler unterstützt. Schon Ende Mai sind wir zu viert nach Bali geflogen, um erneut ein Besuchervisum zu beantragen. Fünf Wochen später habe ich es bekommen und war überglücklich.


Der lange Flug von Jakarta nach Hamburg

Schließlich sind wir dann alle zusammen über Jakarta und Dubai nach Hamburg geflogen. In den ersten Tagen konnte ich es gar nicht fassen, dass ich wirklich in Deutschland bin. So weit weg und so anders als in Indonesien: nur ganz wenige Motorroller, manchmal leere Straßen, aber auch sehr viele verschiedene Straßen. Die Ruhe in meinem neuen Zuhause kenne ich nur von meinem Dorf auf Lombok, wenn alle schlafen.


Hamburg hat viele Radwege

Von Anfang an bin ich hier viel mit dem Fahrrad unterwegs, und ich jogge auch, denn es gibt viele Parks und die Luft ist sehr klar. Durch die viele Bewegung habe ich wohl auch schon abgenommen 😊. Als wir in Deutschland eingereist sind, waren die Temperaturen tagsüber wie auf Lombok, so konnte ich meine normale Kleidung weiter tragen. Aber die Luft ist hier trockener und morgens und abends ist es recht kalt für meine Verhältnisse. Auch bin ich hier öfter in Räumen als auf Lombok, aber man gewöhnt sich daran. Inzwischen trage ich auch Socken und Pullover.


Es gibt nicht nur eine Kultur in Hamburg
Der Michel

Die andere Kultur hier finde ich interessant, und auch, dass hier Menschen von allen Kontinenten leben. Zum ersten Mal im Leben habe ich eine Kirche besucht, aber sie ist auch die berühmteste in Hamburg: der Michel. Es sieht dort sehr schön aus. Worüber ich sehr dankbar bin ist, dass ich mit dem Rad zu einer nahegelegenen Moschee zum Freitagsgebet fahren kann, wo auch Indonesier zur Gemeinde gehören.


Im Toko Indonesia

Und so nach und nach entdecke ich auch etwas „Indonesien“ in Hamburg: In dem Geschäft Toko Indonesia (siehe Foto) kann man sogar Tempe kaufen und noch viele andere meiner Lieblingsprodukte. Mit dem Inhaber konnte ich mich gleich auf Indonesisch unterhalten, das hat sich gut angefühlt. Mit dem Essen klappt es auch gut. Wir haben einen Reiskocher gekauft und kennen die beste Reissorte im Toko Indonesia, es ist thailändischer Reis, aber schmeckt so wie auf Lombok. Zusammen essen wir natürlich auch deutsche Gerichte, aber meine Familie liebt auch die indonesische Küche besonders nach dem halben Jahr auf Lombok. Es ist schön, wenn wir alle das Gleiche essen können, nur Abendbrot mag ich nicht, das ist mir zu trocken 😊.


Deutsch sprechen zu können ist wichtig
Die Elbphilharmonie

Natürlich lerne ich auch weiter Deutsch, aber es ist manchmal sehr anstrengend. Ich möchte mich auch mehr trauen zu sprechen. Deshalb kaufe ich jetzt auch beim Bäcker und in der Drogerie alleine ein. Aber als ich gemischte Brötchen haben wollte, bekam ich alle von derselben Sorte. Ich glaube, sie waren trotzdem lecker. Bei uns in der Nähe wohnt eine junge Indonesierin, mit der wir uns schon getroffen haben. Und es ist natürlich spannend, etwas über die anderen Lebenswege zu erfahren. Aber spontan Leute treffen ist hier etwas schwierig.



Hamburg hat viele grüne Plätze und viel Wasser
Spazierengehen an der Außenalster

Was mir in Hamburg sehr gut gefällt sind die vielen Parks, und es gibt überall Wasser: Kanäle, die Alster und Elbe … Schon in der ersten Woche war ich im Stadtpark und habe gestaunt, wie groß er ist. Ich sehe, wie die Leute den Sommer genießen, ihre Zeit draußen verbringen, viel lachen und draußen in den Restaurants und Cafés sitzen.


Natürlich habe ich auch Sehnsucht nach meiner Heimat, dann ist es gut, dass wir Videoanrufe machen können, außerdem kann ich jetzt auch mobil chatten unabhängig vom WLAN, das ist toll, weil ich meinen Freunden oder meiner indonesischen Familie auch direkt mal ein Foto schicken kann, wenn ich gerade an einem schönen Platz bin.


Insgesamt bin ich sehr glücklich, dass ich jetzt endlich hier bin und alles mit eigenen Augen sehen kann. Ich bin gespannt, was ich noch alles in den nächsten zwei Monaten erleben werde …


Mit Daniel Abdin in der Al-Nour Moschee

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