Geburtsort auf Lombok oder irgendwo in Deutschland? Ein Leben ohne Visa, wie schön das wäre ...


Ein Leben ohne Visa? Sprung über alle Hürden wie Anna hier in der Hamburger HafenCity

von Stephie


Welche Rolle spielt der Geburtsort im Leben? Eine liebe Familie mit dem Insta-Profil kails_journey, die vor kurzem noch auf Weltreise und zuletzt auf Bali waren, hat diese Frage kürzlich aufgeworfen und mich selbst zum Nachdenken gebracht. Jeder wird sie anders beantworten, und ich finde sie super spannend: Besonders jetzt in der Corona-Zeit, wo der Reisepass auf einmal doch bestimmt, wo man vermeintlich hingehört, ist das Thema aktueller denn je.


Alles zurück auf null


Hamburg gilt als Tor zur Welt, immerhin

Anna und ich sind in Hamburg geboren und leben auch dort. Jörg ist in Herford geboren, hat danach in Düsseldorf und Aachen gelebt und ist dann nach dem Studium mit mir nach Hamburg gezogen (wir haben uns während des Studiums in Aachen kennengelernt). A’an ist in Penjalin im Norden von Lombok geboren und pendelte zumindest vor Corona für die Arbeit nach Gili Trawangan. Jetzt lebt er wieder in seinem Dorf, hat dort Pflichten wie z. B. an der Moschee weiter mitzubauen, dem Onkel zu helfen oder auf den Neffen aufzupassen. Jeder ist also mehr oder weniger wieder dort, wo er geboren ist.


Gut zu wissen, wo man herkommt


2012 mit Arno Surminski auf Lesereise im Kaliningrader Gebiet

Ich denke, es ist gut und wichtig, seine Wurzeln zu kennen, nur sollte man nicht in der Vergangenheit verharren. Als ich vor 17 Jahren das erste Mal im Kaliningrader Gebiet war, früher Ostpreußen heute Russland, habe ich meinen Vater, der dort aufgewachsen ist, viel besser verstanden. Leider war er einige Monate zuvor verstorben, doch er wusste von unserem Reisevorhaben und war sehr zufrieden. Nachdem ich meine Wurzeln gesehen und gefunden hatte, fühlte ich mich irgendwie kompletter, ich hab Russisch gelernt und mein erstes Buch „Hoffnung heißt Nadjeschda“ geschrieben, das war so eine Art Selbstfindung. Einer meiner Höhepunkte war meine Lesereise mit dem Bestseller-Autor Arno Surminski. Doch ich habe nie aufgehört, nach vorn zu schauen und neugierig auf die Welt zu blicken.


Traumhafte Wasserfälle auf Lombok und das Gefühl von Freiheit

Wir fühlen uns in Indonesien zu Hause


Inzwischen fühlen wir uns wiederum in Indonesien zu Hause und verstanden, weil unser Freund A’an über die Jahre zu unserem Sohn geworden ist, wir uns also mit ihm als komplette Familie fühlen - unabhängig von den Kulturunterschieden und der Sprache. Im März bekam er sein Visum für Deutschland, damit wir mal länger zusammen leben können, doch dann konnte er wegen Corona und dem EU-Einreiseverbot nicht fliegen, weil er eben einen indonesischen Pass hat und bei sich in seinem Heimatdorf bleiben sollte, eben dort, wo er geboren ist. Nichts mit weiter Welt und so. Schon im deutschen Konsulat auf Bali mussten wir uns anhören, dass er, wenn er in Deutschland wäre und sein Visum abliefe, sich strafbar machen und dann abgeschoben werden würde. Was für gruselige Worte. Er wollte uns doch nur besuchen, sehen wie wir so leben, weiter Deutsch lernen und unsere Kultur kennenlernen … Und dann musste er später, als sein Visum ungenutzt abgelaufen ist, auch noch eine eidesstattliche Erklärung abgeben, warum er nicht in Deutschland war, plus Kopie vom Reisepass und vom Visum. Was für eine Bürokratie, die den Menschen völlig außeracht lässt.


Stephie, Jörg, Anna und A'an - gemeinsam glücklich zwischen Hamburg und Lombok

Wir arbeiten weiter an unserem Traum


In solchen Momenten wird man dann wieder mit seiner Nationalität konfrontiert und die Welt ist eben doch nicht so offen und global. Doch wir meinen, man sollte überall leben und dort auch glücklich sein können, egal wie man aussieht, und wo man geboren ist.


Wir jedenfalls arbeiten weiter an unserem Traum, mal länger auf Lombok mit A’an zu leben und umgekehrt mal länger in Hamburg zusammen … Eine Schule auf Lombok hat Anna immerhin schon, und A’an hat hier in Hamburg schon eine Moschee, die ihn herzlich empfangen wird. Die Gemeinde ist ganz gemischt, und es gibt sogar Indonesier, aber ich bin mir sicher, dass A’an mit seiner offenen Art in Hamburg auch mit anderen Nationalitäten Freundschaft schließen wird …


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