Der Countdown läuft und die Nerven liegen blank



Immer öfter sprechen wir mit A’an und seiner Deutschlehrerin Novy über die anstehende Prüfung, um das Zertifikat A1 zu bekommen, das unser Freund für sein Visum benötigt. An drei Orten in Indonesien kann man es ablegen: Jakarta, Bandung und Surabaya. Kein Wunder, dass es mehr Bewerber als Prüfungsplätze gibt. So kommt zu der Sorge, die Prüfung auch zu bestehen, zusätzlich noch jene, keinen Prüfungsplatz zu bekommen.


Novy hat zum Glück gute Verbindungen nach Surabaya, sodass sie A’an schon eine Woche vorher ankündigen kann. Am ersten offiziellen Tag der Prüfungsanmeldung (ein Montag) fehlt allerdings noch die Kopie von A’ans Ausweis. Und wie heißt es so schön, wenn etwas schief läuft, dann kommt meistens alles zusammen. Am Sonntag muss A’an zurück nach Tanjung in sein Dorf, da es seiner Tante nicht gut geht (später stellt sich heraus, dass sie einen Schlaganfall hatte und ins Krankenhaus musste). Außerdem ist das Datenvolumen von seinem Handy verbraucht, sodass er zumindest online nicht erreichbar ist. Novy sagt mir eindringlich, dass sie A’an ohne den Ausweis nicht anmelden kann. Ich schreibe ihm eine SMS und versuche, ihn telefonisch zu erreichen. Nichts. Auch sie hat schon etliche Versuche hinter sich, Kontakt mit ihm aufzunehmen. Wenn sie heute nicht den Ausweis bekäme, es könne auch ein Foto per WhatsApp sein, dann könne er die Prüfung nicht machen. Am Abend Ortszeit meldet er sich endlich bei Novy und schickt ihr auch den Ausweis, vermutlich von einem anderen geliehenen Handy. Puh!


Neu eingekleidet sieht A’an ganz anders aus


Am nächsten Tag erfahre ich, dass es mit der Prüfungsanmeldung tatsächlich noch geklappt hat. Also können nun auch die Flüge gebucht werden. A’an ist sehr glücklich und aufgeregt: Zum ersten Mal wird er in seinem Leben fliegen. Nicht mit einer dieser Billigfluglinien, bei denen erst vor kurzem wieder ein Flugzeug abgestürzt ist, sondern mit der staatlichen Fluggesellschaft Garuda Indonesia.


Natürlich muss man bei einer solch wichtigen Prüfung auch passend gekleidet sein. Ein neues Hemd und neue Schuhe müssen her. A’an schickt mir ein Foto von seinem neuen Outfit, und ich muss gestehen, dass ich ihn kaum wiedererkenne. Nicht mehr der coole Surferboy strahlt mich da an, sondern eher einer, der ein Business betreibt.


Schon wieder bebt die Erde auf Lombok


Jeden Tag hat A‘an nun Einzelunterricht bei Novy. „Ich tue mein Bestes für meine Schüler“, schreibt sie mir als Erklärung und ich glaube ihr sofort. Sogar ihr Mann, der auch deutsch spricht, unterstützt A’an. A’an muss sogar eine Probeprüfung im Mündlichen ablegen und hat zum Glück bestanden. Zu Hause muss er sehr viele Hausaufgaben bewältigen und tut sich noch immer schwer, einen Brief mit der richtigen Anredeformel und Text zu schreiben. Doch er übt fleißig weiter, denn er möchte uns auf keinen Fall enttäuschen.


Zwölf Tage vor der Prüfung bebt schon wieder die Erde auf Lombok. A’an hatte sich gerade für eine Weile am Nachmittag ausgeruht, und dachte zunächst, er würde träumen, doch im nächsten Moment rannte er sofort nach draußen. Sein Handy fiel auf dem Boden und hat seitdem eine ziemliche Macke, die auch ein Fachmann nicht reparieren kann. Was für Widrigkeiten, wenn man ohnehin schon aufgeregt genug ist.


Einmal ist immer das erste Mal, für A’an ist es der erste Flug im Leben. Wie er den erlebt, erfahrt ihr im nächsten Beitrag …

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